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Was ist die Richtcharakteristik?

 

Die Richtcharakteristik ist die bevorzugte Aufnahmerichtung des Mikrofons. Gemäß der Form auf dem entsprechenden Messschrieb gibt es Kugel-, Nieren-, Super- oder  Hyperniern- wie auch Achtercharakteristiken.

 

Auch, wenn viele Anwender ausschließlich die langen, zylinderförmigen, aus dem Fernsehen bekannten Mikrofone für „Richtmikrofone“ halten, so sind in Wirklichkeit die meisten im Video-, Studio- und Livebereich benutzten Modelle sogenannte Richtmikrofone – unabhängig von ihrem äußeren Erscheinungsbild!

Der Name kommt von der Tatsache, dass diese Mikrofone den Schall nur aus (meist) einer Richtung mit vollem Pegel übertragen, während sie Signale aus allen anderen Richtungen nur abgeschwächt, also leiser aufnehmen. Die Bezeichnungen „Nierencharakteristik“ resultiert aus der zweidimensionalen Darstellung der entsprechenden dreidimensionalen Messung: sie zeigt einen etwa nierenförmigen Bereich um die Vorderseite des Mikrofons, in dem alle Signale mit etwa gleichem Pegel aufgenommen werden (im angloamerikanischen Bereich weckte diese Form die Assoziation an ein Herz, deswegen heißt die Charakteristik hier „cardioid“). Sie erlaubt einen relativ großen Bewegungsspielraum vor dem Mikrofon, während Signale von der Rückseite des Mikrofons (180°) besonders gut abgeschwächt werden. Bei der Super- und schließlich Hypernierencharakteristik ist der vordere Aufnahmebereich zunehmend verkleinert und der Bereich der stärksten Abschwächung wandert nach schräg hinten (126° - 110° von der Mikrofonachse).

Der verringerte Bewegungsspielraum vor dem Mikrofon (im Vergleich zur Niere) wird bei guten Konstruktionen mit geringerem Übersprechen anderer Signale (Monitorlautsprecher, Instrumente, etc.) und höherer Rückkopplungssicherheit belohnt. 

Mit zunehmender Richtwirkung, also angefangen bei der Niere, über Super- und Hyperniere bis zur Keule müssen Richtmikrofone genauer auf die Schallquelle ausgerichtet werden, Signale von der Seite werden zunehmend klanglich verfärbt und mit verringertem Pegel übertragen. Unter anderem deswegen eignen sich Mikrofone mit Keulencharakteristik auch nicht für Anwendungen vor großen Klangkörpern wie Chören oder Orchestern!

Das erklärt auch, warum die Frage nach der „Reichweite“ eines Mikrofons – zum Beipiel im Videobereich – nicht zu beantworten ist: Signale, die das Mikrofon seitlich treffen werden leiser übertragen als welche von vorne, eine Stimme auf der gegenüberliegenden Seite einer vielbefahrenen Straße wird auch von einem guten Mikrofon mit Keulencharakteristik nicht verständlich aufgenommen! Hier bedingt die Physik, dass der Anwender diese Straße entweder für den Verkehr sperren oder überqueren muss...

 

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